Wie klingt Widerstand?

Für DA WAR WALTER entsteht eine kuratierte Musikproduktion mit zeitgenössischen Künstler*innen. Ausgangspunkt ist die Geschichte von Walter Klingenbeck: ein Jugendlicher, der verbotene Sender hörte, Radiotechnik liebte und sich weigerte, nur zuzusehen.

Wir haben historische Anti-Regime-Musik, Widerstandslieder und verbotene Klangwelten der NS-Zeit recherchiert: Lieder aus Konzentrationslagern und Ghettos, aus dem Exil, aus der Arbeiterbewegung und aus jugendlichen Gegenkulturen. Diese Auswahl ist jedoch keine Vorgabe, sondern ein möglicher Ausgangspunkt. Die beteiligten Künstler*innen können historische Lieder neu interpretieren, sich von einzelnen Zeilen, Melodien, Rhythmen oder Geschichten inspirieren lassen oder völlig neue Songs schreiben.

This revolution
will be in concert!

Uns interessiert Musik als Trost, Identität und Gegenwehr: manchmal laut und kämpferisch, manchmal leise, poetisch oder ambivalent. Auch Swing, Jazz, verbotene englische Musik und heimlich gehörte Sender spielen dabei eine Rolle. Denn Walter und seine Freunde bewegten sich in einem akustischen Feld, in dem Radio zugleich Propagandainstrument und Fenster zur Welt war.

Geplant ist ein musikalischer Songzyklus mit unterschiedlichen künstlerischen Handschriften. Die Songs sollen eigenständig funktionieren und zugleich das Gesamtprojekt erweitern: als hörbare Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart, Medien, Mut und Haltung. Nach Möglichkeit soll die Produktion in einem konzentrierten Studioformat im MPS-Studio in Villingen-Schwenningen entstehen. 

Projekt
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Beteiligte Künstler*innen

Pauls Sies

Paul ist Musiker und Schauspieler. Seine Lieder haben einen sehr eigenen Ton: klug, direkt, manchmal absurd komisch und im nächsten Moment ganz verletzlich. Er schreibt nicht an der Oberfläche entlang, sondern geht dahin, wo es unbequem, schief oder widersprüchlich wird.

Uns hat sein Lied „Auch in der Nazizeit war Spargelzeit“ total getroffen und bewegt. Der Song erzählt davon, dass Geschichte nicht nur aus großen Ereignissen besteht, sondern auch aus Alltag: aus Essen, Familiengeschichten, Wegsehen, Weiterleben. Wir mögen seinen genauen Blick auf die Gegenwart sehr und das da zwischen den Zeilen ganz viel Haltung steckt.

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Moritz Krämer

Moritz Krämer ist Musiker, Autor und Regisseur. Seine Lieder sind oft leise, genau beobachtet und voller feinem Humor. Er erzählt von Menschen und Momenten, die erst unscheinbar wirken und dann plötzlich sehr viel größer werden. Seine Musik begleitet uns schon viele Jahre und sie erzeugt immer wieder eine ganz bestimmte Stimmung, eine Erinnerung und ein Gefühl. Genau das mögen wir an seiner Musik.

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SOFFIE

SOFFIE schreibt Lieder, die schnell nah kommen. Ihre Musik klingt nach Pop, aber auch nach Nachdenken, nach Zweifel, nach Wut und nach dem Wunsch, dass die Dinge anders sein könnten.

Mit „Für immer Frühling“ wurde sie einem größeren Publikum bekannt. Der Song hat gezeigt, wie stark ein Lied wirken kann, wenn es zur richtigen Zeit etwas ausspricht, das viele fühlen. Aber SOFFIE auf diesen einen Song zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht. In ihrer Musik geht es immer wieder um das, was zwischen persönlichem Empfinden und politischer Gegenwart liegt: um Verletzlichkeit, Hoffnung, Überforderung, Haltung.
Für uns ist genau das super spannend.

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Angela Aux

Angela Aux ist Songwriter, Poet und jemand, der Musik gerne weiterdenkt. Seine Arbeiten reichen in Film, Theater und Literatur hinein und beschäftigen sich immer wieder mit Technik, Zukunft und der Frage, wie wir Menschen uns darin zurechtfinden. Bei seinen Songs hat man oft das Gefühl, dass sich hinter einer Zeile noch eine zweite Tür öffnet. Die Musik ist poetisch, eigenwillig und lässt viel Raum für eigene Gedanken.

Das passt für uns sehr gut zu DA WAR WALTER. Auch Walters Geschichte führt über Radiotechnik und Stimmen von außen zu Neugier, Zweifel und einer eigenen Haltung. Angela Aux bringt dafür einen wachen, verspielten und philosophischen Blick mit. Wir sind sehr gespannt, welche musikalische Spur daraus entsteht.

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copyright Kira Hofmann

Kai Lüftner

Kai ist Autor, Musiker, Komponist und Geschichtenerzähler. Er schreibt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und verbindet Sprache, Musik, Humor und Ernst auf eine Weise, die unmittelbar zugänglich ist, ohne einfach zu sein.

Geboren in Ost-Berlin, bringt Kai Lüftner einen Ton mit, der nicht glattgebügelt wirkt: direkt, lebensnah, manchmal rau, oft sehr komisch und dabei nie beliebig. Er ist ein Universaltalent. Genau das mögen wir.

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Bernadette la Hengst

Bernadette La Hengst ist Musikerin, Songschreiberin, Theatermacherin und Radiomoderatorin. Seit ihrer Zeit mit Die Braut haut ins Auge verbindet sie deutschsprachigen Beat- und Elektropop mit politischen Themen, persönlichen Geschichten und utopischen Ideen. Neben ihren Soloalben entwickelt sie Theater-, Hörspiel- und Chorprojekte, häufig gemeinsam mit Menschen vor Ort.

Zum Projekt passt Bernadette besonders, weil ihre Kunst Haltung zeigt, ohne dabei belehrend zu werden. Sie verbindet Musik mit gesellschaftlichen Fragen, schafft Gemeinschaft und macht Mut, sich eine andere Zukunft vorzustellen.

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Fruchtiger Beigeschmack

Fruchtiger Beigeschmack gehören zu den Bands, bei denen nach den ersten Takten klar ist, dass man bleiben will. Ihr deutschsprachiger Indie-Jazz hat Wucht, Witz und eine große Spielfreude. Die Musik bewegt sich, überrascht und reißt mit, während die Texte sehr genau auf persönliche, gesellschaftliche und politische Themen schauen.

Wir finden sie großartig, weil bei ihnen Haltung und Lebensfreude ganz selbstverständlich zusammenfinden. Ihre Musik macht einfach Bock und bringt genau die Energie in unser Projekt, die wir uns wünschen.

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Warum Musik?

Walter Klingenbeck hörte verbotene Sender. Er interessierte sich für Radiotechnik, für Stimmen von außen, für Informationen jenseits der NS-Propaganda. Hören war für ihn nicht passiv. Hören bedeutete: die Welt anders wahrnehmen, Zweifel zulassen, Haltung entwickeln.

Genau daran knüpft die Musikproduktion an. Sie fragt nicht nur, welche Lieder damals wichtig waren. Sie fragt, was diese Klänge heute auslösen können. 

Welche Melodie bleibt? Welche Zeile trifft? Welche Geschichte muss weitererzählt werden? Und wann wird aus Hören Widerstand?

Die entstehenden Songs sollen später digital veröffentlicht, in die Graphic Novel und die Website eingebunden und durch Interviews, Hintergrundtexte oder Werkstattgespräche begleitet werden. So wird DA WAR WALTER nicht nur lesbar und sichtbar, sondern auch hörbar.