DA WAR WALTER

Walter Klingenbeck (30. März 1924–5. August 1943)

DA WAR WALTER ist ein Erinnerungsprojekt, das die Geschichte des jungen Münchner Widerstandskämpfers Walter Klingenbeck in einem multimedialen Buch mit Graphic Novel, Musik und historischen Elementen erzählt – gegen das Vergessen und für Zivilcourage.

FUNKDISZIPLIN / KÖNNT IHR UNS HÖREN?!

Analog-Digitales Coffeetable-Book

Das Erinnerungsprojekt wird zunächst digital starten und später als quadratisches 10‘‘ Coffeetable-Book veröffentlicht werden. Im Zentrum steht eine Graphic Novel über Walter Klingenbeck und seine Freundesgruppe, ergänzt durch einführende Texte zur Faszination und Instrumentalisierung des Radios. Interviews mit Historiker*innen und Radiobegeisterten werden digital und als Video veröffentlicht; hinzu kommen Workshops mit Jugendlichen in München, in denen sie die Bauanleitungen der Radiotechnik praktisch umsetzen. Ergänzt wird das Projekt durch die Neuaufnahme verbotener Anti-Nazi-Songs mit heutigen Musiker*innen, eine limitierte Vinyl-Edition und begleitende Social-Media-Formate.

Faszination Radio und Bauanleitungen

Das Kapitel beschreibt die Aufbruchstimmung der 1920er Jahre, in denen technologische Zukunftsgläubigkeit und die Faszination für das neue Medium Radio eng miteinander verknüpft waren. Zugleich wird die starke Anziehungskraft des Radios als „Straßenfeger“ thematisiert. Ergänzend steht am Ende des Kapitels ein Expert*inneninterview als Video über einen QR-Code zur Verfügung.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt widmet sich der schnellen Entdeckung des Radios als Propagandamittel. Auch dieser Aspekt wird in leicht verständlicher Sprache aufbereitet und durch ein zusätzliches Expert*inneninterview als Video vertieft.

Abschließend finden sich im Buch niedrigschwellige Bauanleitungen für Kinder und Jugendliche – eine für einen Kurzwellen-Radioempfänger (zum Empfangen) und eine für eine Morsetaste (zum Senden und Empfangen). Die Vorlagen wurden von Burkhard Kainka entwickelt und von Severin Wiedemann weitergeführt und angepasst. Beide Modelle wurden bereits in Radiobauworkshops erprobt und weiterentwickelt, unterstützt durch den Amateurfunkverband DARC, der bei der Durchführung mit fachlicher Expertise begleitet.

Ergänzend wird ein Videotutorial bereitgestellt, das den Nachbau zuhause Schritt für Schritt ermöglicht.

Graphic Novel von Bea Davies

Die Erzählung beginnt mit einer markanten Szene: Walter Klingenbeck und sein Freund Daniel von Recklinghausen bringen das „V for Victory“ an Münchner Hauswänden an. Die Graphic Novel ist nicht biografisch angelegt, sondern nähert sich Walter über ausgewählte Schlüsselmomente seines Widerstands. Dazu gehört seine frühe Begeisterung für Radiotechnik und das heimliche Hören von Radio Vatikan – trotz des ab 1939 geltenden Verbots von Feindsendern. Weitere Szenen zeigen die gemeinsamen Pläne für einen Piratensender und schließlich die Verhaftung der Gruppe. Walter übernimmt die Verantwortung, um seine Freunde zu schützen, die dadurch überleben. Er selbst wird am 5. August 1943 hingerichtet.

Bea Davies bringt in die Arbeit ihre Erfahrung als mehrfach ausgezeichnete Comiczeichnerin und Illustratorin ein. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihre Reportage-Graphic-Novel Supergau sowie weitere Werke, in denen sie komplexe historische und gesellschaftliche Themen einfühlsam visuell übersetzt. Diese Erfahrung prägt auch ihre Arbeit an Da war Walter: Mit ihrer klaren, präzisen Bildsprache und sorgfältigen Recherche schafft sie eine Erzählung, die Walters Geschichte authentisch, nahbar und zeitgemäß macht.

Neuaufnahme alter Anti-Regime-Lieder

Ein Teil der Auflage wird durch eine besondere musikalische Beigabe ergänzt: Im MPS Studio in Villingen-Schwenningen werden historische Anti-Regime-Lieder von aktuellen Künstler*innen neu interpretiert, die sich von den ursprünglichen Songs inspirieren lassen und diese in eine zeitgenössische Form übertragen. Die Aufnahmen stehen noch bevor; einer Teilauflage des Buches wird anschließend eine 10″-Schallplatte mit den entstehenden Neuaufnahmen als limited Edition beiliegen.

In allen Ausgaben des Buches wird zudem ein Zugriff auf eine begleitende Playlist eingerichtet. Die musikalische Umsetzung soll einen zusätzlichen, niedrigschwelligen Zugang zur historischen Thematik schaffen und dazu anregen, sich über Klang und Atmosphäre intensiv mit Haltung und Widerstand auseinanderzusetzen. #zuwelchembeathättestdudamalsgetanzt?

Neues aus dem Projekt

Herzensprojekt

Warum Walter?

Es ist Privileg und Fluch der Jugend zugleich, dass man furchtlos und vehement genug ist, um kompromisslos bis zum Äußersten für seine Überzeugungen einzustehen. Im Fall vom Walter Klingenbeck kommt der Aspekt hinzu, dass er mit seinem Piratensender sich der Welt mitteilen und politisch äußern wollte: Dinge, die wir heute mit Plattformen wie YouTube, Instagram, X und der technischen Möglichkeit des Live-Streamings als selbstverständlich wahrnehmen – und mit Hilfe eines VPN-Tunnels oder anderen Tools auch unseren Standort verschleiern könnten. 

Ohne Social Media wäre viel weniger Notiz vom arabischen Frühling oder der BLACK LIVES MATTER Bewegung genommen worden – gleichzeitig wären Social-Media-Plattformen wie z.B. Facebook ein ideales Tool für die NS-Herrschaft gewesen: freedom of speech is not freedom of reach (Sacha Baron Cohen). 


Hintergrund

This revolution will be televised!

Ein wichtiger Bestandteil der jugendlichen Identitätsbildung war stets das Suchen und Erschaffen eigener Räume, in denen junge Menschen unabhängig von den Vorgaben der Erwachsenen ihren Interessen nachgehen konnten – etwa beim gemeinsamen Musikhören. Solche informellen Jugendgruppen entstanden auch im nationalsozialistischen Deutschland. Beispiele sind die Swing-Jugend in Hamburg, die Meuten in Leipzig, die Edelweißpiraten in Köln oder die sogenannten „Blasen“ in München. Sie verband die Ablehnung der NS-Jugendorganisationen, das Herausbilden eigener Subkulturen mit typischen Kleidungsstilen sowie die bewusste Distanzierung vom Regime.

Die nationalsozialistischen Behörden reagierten mit massiver Härte auf diese Jugendkulturen. Ab 1940 wurde das Jugendstrafrecht deutlich verschärft: Haftstrafen im Zuchthaus oder sogar die Todesstrafe waren möglich. Jugendliche konnten auf unbestimmte Zeit verurteilt oder in sogenannte Jugendschutzlager eingewiesen werden. Zudem hatte die Polizei das Recht, ohne Gerichtsverfahren Jugendarrest zu verhängen.

In diesem Zusammenhang und weit darüber hinaus übt Walter Klingenbeck eine große Faszination aus: ein Münchner Lehrling, der mit Freunden zusammen aus politischer Überzeugung basierend auf seinem christlichen Glauben gepaart mit technischem Spezialwissen sogenannte Feindsender abhörte und dem Aufruf der BBC folgte, dass V-Zeichen als Kürzel für das englische Wort VICTORY zu verbreiten, um damit den Sieg der Alliierten anzukündigen. 

Im September 1941 malten Klingenbeck und seine Freunde mit schwarzen Altöl große V-Zeichen an etwa 50 Gebäude in München. Zugleich sendeten die Jugendlichen in ersten Probeversuchen französische Schlagermusik. Walter wurde denunziert und zusammen mit seiner Clique im Alter von 17 Jahren verhaftet. Er nahm die ganze Verantwortung auf sich und wurde 1943 in München Stadelheim ermordet.

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