„Psst, der Feind hört mit“ war ein Propagandaslogan des NS-Regimes. Er sollte die Bevölkerung einschüchtern und zu Selbstzensur anhalten.

Quelle: Urheber: EGUSTAV HARALD GÜNTER

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:1944_Erich_Ludwig_Stahl_Nationalsozialistisches_Propaganda-Plakat_Anti-Spionage-Kampagne_%22Feind_hört_mit%22,_WW.jpg

Im Sommer 1941 verbreitete der europäische Dienst der BBC, bekannt als Radio London, regelmäßig Sendungen an Zuhörerinnen und Zuhörer in den von Deutschland besetzten Gebieten.
In diesen Sendungen wurde sinngemäß dazu aufgerufen,

  • das „V“ als Zeichen für „Victory“ überall sichtbar zu machen,
  • es an Wände, Zäune, Türen oder öffentliche Orte zu schreiben oder zu ritzen, um zu zeigen, dass Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime besteht.

Der Aufruf richtete sich ausdrücklich an Zivilisten, nicht an organisierte Widerstandsgruppen. Das Zeichen sollte einfach, schnell und anonym angebracht werden. Ziel war es, die deutsche Öffentlichkeit zu verunsichern und den Eindruck einer allgegenwärtigen, nicht kontrollierbaren Opposition zu erzeugen.

Dieses Audio spielt den BBC-Tuning-Signal-Clip mit dem berühmten Morse-Code „•••—“ (drei kurze, ein langer Ton), der in vielen BBC-London-Übertragungen genutzt wurde und symbolisch für V for Victory stand: https://soundcloud.com/transdiffusion/bbc-v-for-victory-tuning-signal?in=transdiffusion%2Fsets%2Fbbc

Walter Klingenbeck brachte gemeinsam mit Daniel von Recklinghausen 30 bis 40 mal das „V“ für Victory im Münchner Stadtteil Bogenhausen an.

Verkehrsschild mit einem von Walter und Daniel gemalten „Victory“-Zeichen in München-Bogenhausen, aufgenommen im Winter 1941 nach der Denunzierung. Das Foto stammt aus der Ermittlungsakte gegen Walter Klingenbeck. © Bundesarchiv R 3017/3828

Die Zeichen erschienen an unterschiedlichen Orten – sichtbar für viele, aber angebracht im Verborgenen.

Ziel war es, Hoffnung zu verbreiten und zu zeigen: Nicht alle glaubten an den „Endsieg“.

Gestapo-Erkennungsfoto, Staatspolizeileitstelle München, 1942
(Aktennr. 7097/42), Archivbestand unbekannt

Walter wurde am 30. März 1924 in München geboren und am 12. April 1924 in der Pfarrkirche St. Ludwig in München getauft. Am Morgen des 26. Januar 1942 erfolgte die Verhaftung durch die Gestapo. Am 24. September 1942 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Am 5. August 1943 wurde Walter im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet – er war 19 Jahre alt.

Walter lebte bei seinen Eltern in München, in der Amalienstr. 44.
Wie viele Jugendliche seiner Zeit wohnte er in einer Mietwohnung und teilte den Alltag mit seiner Familie.

Walter lebte im elterlichen Haushalt in München mit seinen Eltern Magdalena und Ludwig Klingenbeck sowie mit seiner jüngeren Schwester Anneliese.

(Illustration: Nachzeichnung nach historischem Hausplan des Hauseigentümers)

Walters Zimmer lag im ersten Stock.

Walter wuchs in einem katholisch geprägten Umfeld auf.
Er war als Jugendlicher Mitglied der katholischen Jungschar seiner Münchner Pfarrgemeinde. Die katholische Jungschar gehörte zu den konfessionellen Jugendverbänden, die im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung unter Druck gerieten. Ab dem Jahr 1936 wurde die katholische Jungschar im Deutschen Reich verboten, ihre Gruppenarbeit aufgelöst und weitere Treffen untersagt. Eine legale Fortführung der Jungschararbeit war danach nicht mehr möglich.

Mit 14 Jahren begann Walter 1938 eine kaufmännische Lehre bei der Zentral-Darlehenskasse und besuchte eine kaufmännische Fortbildungsschule. Mit 17 Jahren wechselte er 1941 zur Firma Rohde & Schwarz, wo er eine Ausbildung zum Schaltmechaniker in der Hochfrequenztechnik und im Radiobau absolvierte.

Im Hintergrund erklingt ein Tango – eine damals sehr beliebte Musikrichtung.
Walter hörte unter anderem Stern von Rio, ein bekanntes Lied der späten 1930er-Jahre, das auch im nationalsozialistischen Deutschland weit verbreitet war.
„Stern von Rio“ erschien 1939 und verbindet exotische Sehnsucht mit Tanzmusik.
Für viele junge Menschen bot solche Musik einen kurzen Ausbruch aus Alltag, Krieg und politischer Enge.

Das Originalstück kann über diesen externen Link angehört werden: https://archive.org/details/78_stern-von-rio_rudi-schuricke-und-heinz-munsonius-mit-seinen-solisten_gbia0124532a

© Bea Davies / Da war Walter