Es ist zugleich Privileg und Risiko der Jugend, furchtlos genug zu sein, um kompromisslos für die eigenen Überzeugungen einzustehen. Bei Walter kommt etwas Entscheidendes hinzu: Mit seinem geplanten Piratensender wollte er sich mitteilen und politisch äußern – Dinge, die wir heute durch Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok als selbstverständlich wahrnehmen. Heute könnten wir unsere Botschaften live senden, unseren Standort verschleiern oder technische Schutzmechanismen nutzen. Walter hatte all das nicht.
Ohne soziale Medien hätten viele politische Bewegungen der jüngeren Geschichte deutlich weniger Aufmerksamkeit erfahren – etwa der Arabische Frühling oder die Black-Lives-Matter-Bewegung. Gleichzeitig zeigen sie, wie leicht Plattformen zur Kontrolle und Instrumentalisierung genutzt werden können. Oder, wie Sacha Baron Cohen es formuliert: Freedom of speech is not freedom of reach.
Graphic Novel
Die Graphic Novel bildet das erzählerische Zentrum des Projekts.
Sie nähert sich Walter nicht chronologisch, sondern über ausgewählte Schlüsselmomente seines Widerstands: von seiner Begeisterung für Radiotechnik und dem heimlichen Hören von Radio Vatikan bis zu den Plänen für einen Piratensender und der Verhaftung der Gruppe.
Walter übernimmt die Verantwortung für seine Freunde, um sie zu schützen. Sie überleben. Er selbst wird am 5. August 1943 hingerichtet.
Die Zeichnerin Bea Davies erzählt diese Geschichte mit einer klaren, präzisen Bildsprache und großer historischer Sorgfalt. Ihre Erfahrung mit dokumentarischen Graphic Novels prägt auch Da war Walter: konzentriert, nahbar und zeitgemäß.
Radio, Technik & Geschichte
Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Projekts liegt auf dem Radio – als technische Innovation, als Massenmedium und als politisches Instrument.
Texte und Bildmaterial vermitteln die Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre und zeigen, wie schnell das Radio im Nationalsozialismus als Propagandamittel genutzt wurde. Diese Zusammenhänge werden bewusst verständlich aufbereitet und durch Expert*inneninterviews ergänzt, die per QR-Code als Video abrufbar sind.
Mitmachen: Bauanleitungen & Workshops
Geschichte bleibt im Projekt nicht theoretisch.
Kinder und Jugendliche bauen nach historischen Vorlagen eigene Radios:
einen einfachen Kurzwellenempfänger (Empfangen) sowie eine Morsetaste (Senden und Empfangen).
Die Bauanleitungen wurden von Burkhard Kainka entwickelt und von Severin Wiedemann weitergeführt. Erprobt und weiterentwickelt wurden sie in Radiobauworkshops, begleitet durch den Amateurfunkverband DARC.
Ein Videotutorial ermöglicht den Nachbau auch außerhalb der Workshops.
[→ Workshops
Musik & Neuinterpretationen
Ein weiterer Zugang zur Geschichte entsteht über Musik.
Historische Anti-Regime-Lieder werden im MPS Studio Villingen-Schwenningen von heutigen Musiker:innen neu interpretiert. Die Künstler:innen greifen Haltung, Stimmung und Widerstand der Originale auf und übersetzen sie in eine zeitgenössische Form.
Ein Teil der Buchauflage enthält eine limitierte 10″-Vinyl-Edition mit diesen Neuaufnahmen. Zusätzlich erhalten alle Ausgaben Zugriff auf eine begleitende Playlist.
Musik eröffnet einen emotionalen, unmittelbaren Zugang zur historischen Thematik.
Zu welchem Beat hättest du damals getanzt?
Buch & digitale Plattform
Das Projekt startet digital. Langfristig werden die Inhalte in einem Buch zusammengeführt: Graphic Novel, Texte, Bilder, Interviews und begleitende Materialien.
So entsteht ein Erinnerungsprojekt, das Geschichte nicht nur erzählt, sondern auf unterschiedlichen Ebenen erfahrbar macht – lesend, hörend, praktisch und im Austausch mit anderen.